Über Mitarbeiterführung in einer Landtagsfraktion

Alles ganz normal im Landtag?

by pensioncapital

Über Mitarbeiterführung in einer Landtagsfraktion

Alles ganz normal im Landtag?

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Einen Einblick in ein wenig bekanntes Feld des Personalmanagements bot der HR RoundTable Bremen seinen Teilnehmern im März dieses Jahres.

Lencke Steiner, bekannt aus der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ und heute Fraktionsvorsitzende der FDP in der Bremischen Bürgerschaft gab einen Einblick in die Personalarbeit in der Politik und in ihrer Fraktion. Dabei zog sie einen Vergleich zu ihren Erfahrungen als Unternehmerin.

PensionCapital _ Lencke Steiner _ Alles ganz normal im Landtag _ Zielke

Der Kontakt und die Idee zu diesem besonderen Vortrag entstand durch den Städtepartner des HR RoundTable, Rüdiger Zielke, Geschäftsführer der PensionCapital GmbH. Er nutzte die Chance, Lencke Steiner im Nachgang für die HR RoundTable News zu interviewen.

Rüdiger Zielke: Lencke, da es für viele ein unbekanntes Feld ist: Wie ist eine Fraktion überhaupt organisiert?

Lencke Steiner:
Die FDP Fraktion Bremen ist in der Bürgerschaft mit sieben Abgeordneten vertreten. Die Geschäftsführung wird bei uns von einer Juristin übernommen. Sie organisiert den Fraktionsablauf, koordiniert die parlamentarische Arbeit und leitet das Mitarbeiterteam zusammen mit mir. Jeder Referent und jede Referentin haben bei uns mehrere Themenbereiche, die ihnen zugeordnet sind. Die Abgeordneten kommen mit Ideen oder sie selbst haben diese, dann wird das nötige Hintergrundwissen recherchiert und die Erkenntnisse in parlamentarische Initiativen gegossen. Zusätzlich habe ich für mich noch einen Büroleiter und Veranstaltungs-/ Social Mediaverantwortlichen. Die Fraktion führe ich wie ein kleines Unternehmen.
Personalentscheidungen werden im Fraktionsvorstand zusammen mit der Geschäftsführerin getroffen.

Welche Eigenschaften müssen Deine Mitarbeiter mitbringen?

Wichtig ist immer, dass jemand neues in das Team passt. Daher gibt es vorher einen Probetag. Wir arbeiten eng zusammen und gute Laune gehört zum Arbeitsalltag dazu, wenn sich jemand nicht wohlfühlt wäre es für alle eine Belastung. Flexibilität, Ideenreichtum, punktuell hohe Arbeitsbelastung sind wichtig. In den Sitzungswochen ist das Arbeitsaufkommen sehr hoch und die Tage lang, da kann es schon mal nach 20:00 Uhr werden. Während ich im Parlament bin, stehen die thematisch zugeordneten Referenten bereit die Themen inhaltlich noch zu flankieren, falls spontan Fragen entstehen. Eigene Initiativen werden mit der Pressearbeit begleitet. Sie müssen also meine Gedanken, mein Wording und Einstellungen kennen und in die Vorlagen sowie Reden einbringen.

Ist die persönliche Loyalität zwischen Chef und Mitarbeiter bei Euch wichtiger als in normalen Firmen?

Loyalität ist überall wichtig. Politik ist zudem ein emotionales Thema, man wird nicht immer beklatscht, sondern bekommt in der Opposition Gegenwind, gerade deshalb ist es wichtig im Arbeitsalltag loyale Sparringspartner zu haben.

Was bedeutet das für die Personalführung?

Meinen Führungsstil bezeichne ich als kommunikativ konsequent. Mir ist es wichtig, das Meiste kooperativ miteinander zu lösen, viele Verantwortlichkeiten zu vergeben und Vertrauen zu schenken, bei Zielsetzungen bin ich dann aber auch auf der anderen Seite sehr konsequent und dulde keinen Aufschub. Als Team sind wir hochmotiviert und haben im Verhältnis daher einen sehr guten Output.

Wie wichtig ist die politische Einstellung?

Wir haben auch Kolleginnen und Kollegen ohne Parteibuch in der Fraktion. Aber natürlich hilft es, wenn wir die gleichen Werte teilen. Wenn ich schon im Parlament über die richtige Politik streite, muss ich nicht unbedingt in der Fraktion große Debatten führen. Das unterscheidet übrigens eine Fraktion vom Landesverband der Partei.

Wie findet Ihr dann Mitarbeiter?

Vor dem Hintergrund der politischen Nähe bietet die Partei mit ihren Landesverbänden ein hohes Reservoir talentierter Kräfte, darüber hinaus aber auch in den klassischen Stellenbörsen und auf unserer Webseite und Facebook. Spannend bei uns ist, dass wir viele fachfremde Mitarbeiter haben, die sich in Ihre Rolle hervorragend eingearbeitet haben.

Was ist der größte Unterschied im Personalmanagement von Unternehmen und Fraktion?

Das kann man so einfach nicht sagen, denn ganz viele Dinge sind gleich. Vielleicht so: Das Industrieunternehmen meiner Eltern benötigt gewissenhafte Mitarbeiter, die ihre Aufgaben sehr konkret innerhalb fester Vorgaben erledigen. In meiner Fraktion sind viel Flexibilität, vernetztes Denken und gemeinsame Werte gefragt. Da die Bezahlung der Mitarbeiter nach den Vorgaben des Öffentlichen Dienstes erfolgt, haben wir hier nicht so viele Möglichkeiten. Dennoch lassen wir uns viel einfallen um Mitarbeiter zu binden. Wir sind als familienfreundlich zertifiziert, es gibt jeden Monat einen Gutschein, der für Essen, Tanken oder ähnliches eingelöst werden kann, wir haben betriebliche Altersvorsorge angeboten, jeder hat zu jeder Zeit die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, wir haben Rückzugsorte in der Fraktion geschaffen und Kommunikationsinseln. Deswegen haben wir vor allem hochmotivierte Mitarbeiter, die sich mit uns als FDP und unseren Werten und Zielen identifizieren.  Vielleicht können hier sogar Unternehmen ein wenig von uns lernen, wenn es um Motivation der Mitarbeiter geht.

Du warst das erste Mal beim HR RoundTable: Wie hat es dir gefallen?

Überraschend gut! Ich hatte super Gespräche und durfte selber noch einiges lernen. Personaler können offensichtlich mit Menschen umgehen. Besonders aufgefallen ist mir, dass es bei der Diskussion keine Zurückhaltung gab. Es wurden wie selbstverständlich Dinge aus dem eigenen Unternehmen berichtet und so konnte jeder wirklich aus der Praxis anderer Unternehmen etwas mitnehmen.

Welche Anregung aus der Diskussion nimmst Du mit?

Mich noch mehr mit anderen über dieses wichtige Thema offen und ohne Manschetten auszutauschen. Das Lernen untereinander ist wirklich ein großer Mehrwert.

Lencke, herzlichen Dank für Deine Teilnahme am HR RoundTable. Da es Dir gut gefallen hat und würde ich Dich gerne zukünftig mal wieder anfragen. Vielleicht ja sogar als Wirtschaftssenatorin? Ich wünsche Dir viel Erfolg!

Rüdiger, vielen Dank. Aber über mögliche Positionen reden wir erst nach der Wahl (lacht).

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